Wie uns Aikido führt

Zum Ende des letzten Jahres habe ich für Euch ein paar Zeilen zu dem Thema „Wozu uns Aikido macht“ geschrieben.

Wir haben gehört, dass O Sensei sich zur Erklärung der Grundlagen des Aikido des SANGEN (Viereck, Dreieck, Kreis) bedient hat. Die drei perfekten Proportionen der Geometrie, die das Fundament unseres Seins bilden. Die Quelle des Aikido ist also das Universum selbst, weswegen O Sensei auch sagen konnte: „Wer mich angreift, greift das Universum an.“ Die Konklusion unserer Überlegungen war, dass uns Aikido, verstanden als Weg zur Übereinstimmung mit den fundamentalen Prinzipien des Universums, besser machen kann. Aber wie geht das, wie können wir, die wir noch am Anfang stehen, diese tiefe Einsicht praktisch umsetzen?

Wir erinnern uns daran, dass Tamura Sensei erklärt hat, dass die Aikido Bewegungen geschmeidig, natürlich und voller Kokyu-Ryoku sind. Um Kokyu-Ryoku zu entwickeln gilt es die Barrieren der menschlichen Emotionen zu überwinden. Angst, Zorn, Zweifel etc. machen uns krumm und verspannt und führen dazu, dass sich unsere Bewegungen nicht frei entfalten können. Wir haben Emotionen, aber wollen wir, dass sie von uns Besitz ergreifen? Wenn schon, dann sind es doch die schönen, die wir in uns beherbergen wollen, nicht? Keiko in Achtsamkeit führt zu Techniken, die ohne physische Anstrengung und im Fluß der Bewegung ausgeführt werden können. Solch ein Arbeiten ermöglicht es, sich selbst als formbar und entwicklungsfähig wahrzunehmen und durchbricht den Konflikt zwischen Angreifer und Selbst. Sich selbst besiegen bedeutet, die Beschränkungen des Egos abzuwerfen.

Die Prinzipien des Aikido, Irimi-Tenkan, Kokyu, Ma-ai, Shisei, Kamae, Tai sabaki, verwirklicht in unserem Üben geben uns die Basis und Sicherheit, Vertrauen in das eigene Tun zu erwerben und führen zu Ruhe und Ausgeglichenheit. Aus diesem inneren Frieden entstehen spontan immer neue Aikido Techniken.

Ach ja, jetzt komm ich zum eigentlichen Ausgangspunkt dieser Überlegungen…vor kurzem hat mich ein Aikido-Student sinngemäß gefragt: „Wenn es im Budo zu lange dauert, das Ausführen der Techniken zu planen, kommen diese dann einfach automatisch?“.

Physische Kraft und hastige Schnelligkeit kompensieren oft nur eine unzureichende Technik oder ein nicht gut gewähltes Ma-ai. Es ist tatsächlich so, dass wir im Training bemerken, dass es vorteilhaft ist, wenn es zwischen Angriff und Technik keine zeitliche Differenz gibt. Aber auch ein Automatismus ist nur eine Reaktion. Da wir aber Angriffe nicht abwehren, sondern unsere Bewegung mit der des Angriffs verbinden (Musubi), können sie auch nicht bloß automatisch erfolgen. Wie oben angedeutet, führt uns das Keiko (Üben) zur Überwindung der Dualität zwischen uns und unserem Angreifer. Unser Handeln im Aikido ist, wenn wir schon einen Begriff finden müssen, intuitiv; dort wo sich die Kräfte verbinden, gibt es keine (zeitliche) Differenz.

Ich freue mich über Euer Engagement und hoffe, dass diese Zeilen in Euch den Wunsch bestärkt haben, wieder mit mir zu üben.

Arbeiten wir gemeinsam daran, dass das Jahr 2017 ein gutes wird!

Frank