c 2015 by Hannes Pirschtl

Neujahr 2016

Liebe Freunde,

das alte Jahr geht zu Ende und es ist Zeit, sich etwas zu besinnen, vergangenes zu reflektieren und sich innerlich auf Neues vorzubereiten. Im Anschluss an einen interessanten Dialog mit Junichi Sensei und Michael Horvath zum Thema “Ichirei Shikon Sangen Hachiriki” (“One Spirit, Four Souls, Three Origins, Eight Powers”) habe ich ein paar Zeilen niedergeschrieben, die Euch vielleicht auch interessieren:

Wozu uns Aikido macht

Wir Aikido Treibende wissen um die positive Wirkung, die ein gutes Keiko (Training) auf uns hat. Aber ist es nicht manchmal so, dass wir gelegentlich den Faden verlieren? In solchen Momenten taucht bisweilen die Frage auf, „wozu mache ich überhaupt Aikido?“

Alles Lebendige unterliegt der Veränderung; aber was verändert uns? Wenn wir nicht gestaltender Teil unserer eigenen Veränderung sind, werden wir nur durch die Mechanismen von Natur und Gesellschaft gestaltet. Dabei haben wir durch unser Aikido Training erfahren, dass es möglich ist, selbst große und bedrohliche Kräfte positiv umzuformen.

Im Zeitalter der Flucht, in dem vielen Menschen das Nötigste zum Leben genommen wird, ist es unsere mindeste Aufgabe uns zu fragen, wer wir in Anbetracht dieser Tatsachen sein wollen? Die Antwort auf diese Frage wird sehr von der eigenen Geschichte und den eigenen Lebensumständen abhängen, aber als „kleinster“ gemeinsamer Nenner wird sich der Anspruch herauskristallisieren, mit sich und der Welt im „Reinen“ zu sein. Wie aber komme ich ins „Reine“?

Die Aikido-Techniken manifestieren sich aus dem SANGEN d.i. das Quadrat (Kubus), als die Stabilität, das Dreieck (Pyramide), dessen drei Seiten für Körper, Geist und Seele stehen und der Kreis (Kugel), die fließende Energie, der für die Leere und damit für die Erfüllung aller Dinge steht. Arbeiten wir daran, dass für uns aus Veränderung Entwicklung wird. In den Bildern der geometrischen Figuren gesprochen sehen wir uns (den Menschen) als das Dreieck, das auf den vier Seiten des Quadrats, der Erde (des Hauses) ruht. Am Ende unseres Lebens gehen wir ein in den Himmel – symbolisiert als Kreis -; ist es nicht eine beruhigende Vorstellung, dass sich eines Tages der Kreis schließt?

Wer sich auf den Weg des AiKi begibt, reinigt sich nicht nur von Schmutz und Blockaden sondern auch von Vorurteilen und Ängsten und wird dadurch bar jeder Aggression. In einen von Verspannungen gereinigten Körper, einem von Verwirrungen befreiten Geist und einer von der Furcht erlösten Seele, fließt das Aiki wie der Regen in einen Brunnen. Deswegen sollten wir in Zeiten der Unsicherheit die Frage umdrehen (manchmal sieht man besser, wenn man sich auf den Kopf stellt, nicht?) und uns nicht mehr fragen, „wozu mache ich Aikido?“, sondern „wozu macht Aikido uns?“…es macht aus uns vielleicht nicht unbedingt gute, aber mit Sicherheit bessere Menschen, denn:

合気道は天地人和合の道と理なり。(„Aikido is the Way and Principle of harmonizing Heaven, Earth and Man.”) M. UESHIBA

Wir Aikido Treibende wissen um die positive Wirkung, die ein gutes Keiko auf uns hat. Wäre es nicht fein, wenn wir im kommenden Jahr diese Erfahrung in möglichst vielen gemeinsamen Trainings kultivierten und Sie vorurteilsfrei mit anderen teilten?

Möge die positive Macht mit Euch sein!

Einen Guten Rutsch, Gesundheit und Freude im neuen Jahr wünscht Euch

Frank